FLADE-Blatt
FLADE-Blatt

Wir wollten kein langweiliges «Gmeindsblättli»

Interview mit Roman Weibel, Flawil, zum neu lancierten FLADE-Blatt

Das FLADE-Blatt ist anders als andere Mitteilungsblätter. Welches Konzept verfolgen die Gemeinden Flawil und Degersheim?

Erstens wollten wir wieder etwas für beide Gemeinden. Das fördert das gegenseitige Verständnis über die Gemeindegrenzen hinaus. Schade, dass andere den Alleingang gewählt haben. Zweitens wollten wir ein attraktives Blatt, also kein langweiliges «Gmeindsblättli». Dies beginnt beim frischen Layout, der journalistischen Aufbereitung der Gemeindetexte, der Foto- und Rätselseite und endet mit der Möglichkeit für Vereine und Firmen, Texte und Inserate zu publizieren.

Welche Ziele verfolgt Flawil mit dem neuen Gemeindeblatt?

Der Gemeinderat war zufrieden mit dem «Anzeiger Flawil-Degersheim». Doch er erachtete das Produkt als zu teuer. Der Gemeinderat hatte sich folgende Ziele gesteckt: ein attraktives, regelmässig erscheinendes amtliches Publikationsorgan für die Flawiler Bevölkerung; Kosten des neuen Gemeindeblatts deutlich tiefer; kein Mehraufwand für die Ratskanzlei.

Unkonventionell ist auch der Name. Wie ist dieser entstanden?

Die Abkürzung FLA für Flawil und DE für Degersheim lag auf der Hand. So war es schnell mein Arbeitstitel. Doch Flade ist nicht nur etwas zum Essen, sondern liegt auch auf der Wiese und stinkt. Darum war ich skeptisch, ob dieser Name angenommen wird. Wir hatten auch die Bevölkerung eingeladen, Ideen einzugeben. Von rund 50 Vorschlägen beinhalteten 10 eine Verbindung mit FLADE. Schliesslich überzeugte der Name. Zudem ist der Freitag als Erscheinungstag bei uns in Flawil auch der «Fladetag», wo mancher heute noch Früchte- und Käsefladen isst.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie nach einer Handvoll Ausgaben?

Unsere Erwartungen haben sich erfüllt, wurden vielleicht sogar übertroffen. Wir haben viel positives Echo gehört, praktisch nichts Negatives. Moment. Ich glaube sogar, ich habe überhaupt nichts Schlechtes gehört. Der Name wird jedoch hie und da angezweifelt. Ein Flawiler hat mich gefragt, ob wir nicht ganz «bachä» seien, einen so lächerlichen Namen zu wählen. Dabei passt «bachä» ja wunderbar zu Flade, nicht?! Layout und Inhalt des neuen FLADE-Blattes sind attraktiv. Seit der ersten Nummer haben Vereine und Inserenten die neue Kommunikationsplattform rege genutzt. Es gibt hier und dort noch Kleinigkeiten, die wir anpassen. Doch insgesamt ist das FLADE-Blatt gelungen. Ich bin sehr zufrieden.

Die Redaktion wurde einem Verlag übergeben, gleichzeitig erlassen die Gemeinden Inhaltsrichtlinien. Wie beurteilen Sie diesen Mix zwischen freiem Journalismus und vorgegebenen Inhalten?

Das klappt sehr gut. Die Richtlinien sind öffentlich einsehbar und wurden breit kommuniziert. Sie sind logisch aufgebaut und einfach verständlich. Cavelti besitzt so eine klare Richtschnur für die Redaktion. Es zeigt sich, dass diese Richtlinien funktionieren und sich in der Praxis bewähren.

Als Partner wurde die Cavelti AG gewählt. Welche Kriterien waren ausschlaggebend und wie sind die Erfahrungen der ersten Monate?

Wir haben ein zweistufiges Offertverfahren mit vier Druckereien/Verlagen durchgeführt. Die erste Phase beinhaltete eine Grobofferte und die Eingabe von Ideen, wie der Anbieter das Produkt umsetzen will. In der zweiten Phase haben wir klare Eckpunkte gesetzt und eine Detailofferte verlangt. Unser Ziel war, die Offerten 1:1 zu vergleichen. Das ist uns gelungen. Die Cavelti AG hat den Zuschlag bekommen, weil sie die bestdurchdachte Offerte eingereicht hat, weil sie grosse Erfahrung mit Gemeindeblättern hat und weil sie den besten Preis bot.

«Die Cavelti AG hat den Zuschlag bekommen, weil sie die bestdurchdachte Offerte eingereicht hat.»

Roman Weibel, Gemeinde Flawil

Welches Entwicklungspotenzial sehen Sie für das FLADE-Blatt?

Ich habe viele Ideen. Obwohl es bereits ein gutes Produkt ist, lässt es sich ausbauen. Wir sind aber die öffentliche Hand und wollen uns auf unseren Auftrag beschränken. Also keine Konkurrenz zu den bestehenden Medien. Gerne würde ich Jugend und Schule mit einer monatlichen Seite mehr integrieren. Zudem könnte die Bevölkerung mit der Einsendung von Fotos mitwirken. Als Idee spukt mir auch eine wöchentliche Kolumne im Kopf. Das FLADE-Blatt hat noch viel Potenzial…