Ein Magazin gleichzeitig als App, PDF und gedruckte Ausgabe – und zwar effizient, ohne dass jedes Format separat aufgebaut werden muss. Das ist das Versprechen von Crossmedia-Publishing. Erfolgreich umgesetzt heisst es: ein Redaktionssystem, ein Bildbestand, ein Workflow – drei (oder mehr) Ausgabe-Kanäle. Dieser Artikel zeigt, wie das in der Praxis aussieht und welche Werkzeuge sich bewährt haben.
Was Crossmedia-Publishing wirklich bedeutet
Der Begriff wird oft missverstanden. Crossmedia-Publishing ist nicht einfach „PDF zur Print-Vorlage ins Web stellen". Es bedeutet: Inhalte werden einmal in einer strukturierten Datenbank erfasst und automatisiert in alle Zielformate exportiert – mit kanalspezifischen Anpassungen, aber ohne doppelte Pflege.
Die drei Kanäle im Vergleich
| Kanal | Wozu | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Print-Magazin | Stakeholder, Kunden, Loyalty | haptisch, emotional, Liegezeit | statisch, Produktionsvorlauf |
| PDF / E-Paper | Versand, Archiv, Investor Relations | identisches Layout zur Print-Version, durchsuchbar | nicht responsiv, kein Tracking |
| App / Web-Reader | jüngere Zielgruppe, internationale Distribution | responsiv, multimedial, messbar | App-Pflegeaufwand, geringere Verweildauer |
Der ideale Workflow
So sieht ein typisches Crossmedia-Magazin-Setup bei Cavelti aus:
- Redaktionssystem als Single Source of Truth. Alle Artikel, Bilder, Metadaten in einem strukturierten System (CMS, Headless oder DAM-System).
- Layout-Template pro Kanal. Print-Template in InDesign, Web-Template in HTML/CSS, App-Template als responsives Layout.
- Automatisierter Export. Aus dem Redaktionssystem heraus werden Artikel mit einem Klick in alle drei Vorlagen ausgespielt.
- Manuelle Feinarbeit. Print-Layout bekommt finalen Schliff (Spaltenumbrüche, Bildausschnitt). App und PDF laufen automatisch.
Mehr zu unserem Redaktionssystem unter Tools & Workflow.
Praxis-Beispiel: Kundenmagazin mit drei Auflagen
Ein Cavelti-Kunde aus dem Genossenschaftsbereich produziert sein Mitglieder-Magazin viermal jährlich in drei Varianten:
- Print-Ausgabe (60.000 Exemplare): der „Hauptdarsteller", an alle Mitglieder verschickt.
- PDF-Download von der Website: mit interaktivem Inhaltsverzeichnis und Such-Funktion.
- App im Reader-Stil: für Mitglieder mit Tablet- oder Mobile-Affinität, mit zusätzlichen Bildergalerien und Videos.
Der entscheidende Vorteil: 6 Personen Redaktion plus Gestaltung schaffen alle drei Versionen in 8 Wochen – früher waren es 12 Wochen für nur zwei Versionen.
Häufige Fehler beim Setup
1. „Wir machen das App-Format später dazu"
Wer ein Print-Magazin gestaltet und erst danach an die App denkt, baut zweimal. Layouts und Bildausschnitte müssen für die App komplett neu aufbereitet werden. Wer von Anfang an drei-Kanal-fähig plant, ist 30–40 % schneller.
2. Bilder ohne Mehrformat-Anlieferung
Print braucht 300 dpi im endgültigen Format, App braucht 72 dpi in mehreren Seitenverhältnissen (16:9, 4:3, 1:1, hochformat). Bei Fotoshoots gleich mehrere Schnitte einplanen, sonst bleibt das Bild später unbrauchbar fürs Smartphone.
3. Zu viele Korrekturschleifen pro Kanal
Jede Korrektur wird in alle drei Kanäle durchgereicht. Wer die Korrektur-Disziplin nicht hat, verzettelt sich. Lösung: ein zentraler Redaktionsstand, alle Kanäle ziehen sich daraus die finale Version.
Tools, die sich bewähren
- Adobe InDesign mit Datenzusammenführung – für Print-Output aus Datenbank-Inhalten.
- Storybox / WoodWing / Censhare – für grössere Redaktionen mit echter Multi-Channel-Pflicht.
- Cavelti-eigenes Storybox-Setup – schlanke Lösung für mittelständische Unternehmen, hostet auf unserem Server, kein Lizenz-Lock-in. Mehr unter Storybox.
- Foleon / Issuu – wenn ein interaktives Web-Magazin schnell live gehen soll, ohne eigene App.
Wann lohnt sich Crossmedia-Publishing?
Ab der zweiten parallelen Ausgabe pro Jahr und mindestens zwei Kanälen lohnt sich der Setup-Aufwand. Bei einmaligen Projekten (z.B. einem Jubiläumsbuch) ist klassisches Print plus einfaches PDF günstiger.
Häufige Fragen
Können wir bestehendes Print-Material in App-Format überführen?
Ja, mit Aufwand. Wir nutzen InDesign-zu-HTML-Exporte, danach folgt manuelle Optimierung für Mobile-Lesbarkeit. Pro Magazin-Ausgabe rechnen wir 8–20 Stunden Aufbereitung – je nach Bildanteil und Layout-Komplexität.
Wer hostet die App?
Drei Optionen: (1) selber, im eigenen App-Store-Konto, (2) bei einem Aggregator wie Foleon oder Issuu, (3) auf Cavelti-Infrastruktur als White-Label. Wir beraten zu allen drei Varianten.
Was kostet der initiale Setup?
Für ein vollwertiges Crossmedia-Setup (Print, PDF, App) rechnen Sie 25.000 bis 60.000 CHF einmalig, danach pro Ausgabe deutlich weniger als bei isolierter Produktion. Die Amortisation liegt typisch nach 4–6 Ausgaben.
Wie messen wir die App-Nutzung?
Über integrierte Analytics (Open-Source-Lösungen wie Matomo oder kommerzielle wie Adjust). Wichtig: revDSG-konforme Einwilligung der App-Nutzer. Mehr zu Datenschutz im Print-Kontext im DSGVO-Artikel.